EU-geförderte Geothermie

Europäische Union
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regionale Entwicklung

Geothermie in Schwerin-Lankow - Injektionsbohrung


Injektionsbohrung auf gutem Weg


Schwerin/Lankow, März 2021 • Die Experten haben den Zielbereich im Februar ohne Schwierigkeiten erreicht, sodass die Arbeiten perfekt im Zeitplan liegen. Die Bohrarbeiten zur Érrichtung des Injektionsstrangs sind nun abgeschlossen.

Aus den letzten 150 Metern wurden jedoch noch Bohrkerne entnommen und einer geologischen Untersuchung unterzogen. Damit wurde eine thermalwasserführende Schicht – die sogenannte Postera-Sandsteinschicht – erschlossen. Dieser feinkörnige Sandstein ist nur schwach verfestigt und weist äußerst günstige hydraulische Eigenschaften auf, wie zum Beispiel hohe Durchlässigkeit, was für die Rückführung der abgekühlten Thermalsole sehr wichtig ist.

Mitte März starteten die Geothermie-Experten von GTN den Leistungstest. Um die Aufnahmefähigkeit des Aquifers und die damit verbundene realisierbare Injektionsrate zu ermitteln, wurde ein Fördertest durchgeführt. Darüber hinaus konnten viele weitere Parameter untersucht werden. Im Ergebnis dieses Fördertests hat sich gezeigt, dass die Erwartungen an den ausgewählten Injektionsstandort vollends erfüllt wurden. (Foto 1)

Dr. Kabus GTN, Copyright: Stadtwerke Schwerin GmbH (SWS) „Die Bohrungen am Stadion Lankow waren sehr erfolgreich. Sie deuten auf eine hohe Ergiebigkeit mit relativ niedrigem Energieaufwand und somit auf eine hohe Aufnahmefähigkeit hin”, sagt Dr. Frank Kabus, Geschäftsführer der Geothermie Neubrandenburg GmbH GTN. „Dort konnten 150 Kubikmeter Thermalwasser pro Stunde ohne Probleme gewonnen werden. Das ist weit über dem, was wir erwartet haben. Das bedeutet, dass die am HKW-Standort geförderte Menge Thermalwasser nach der Abkühlung in selber Menge hier sicher wieder verpresst werden kann. Und damit steht einer geothermischen Nutzung am Standort Schwerin-Lankow nichts mehr im Wege”, so der Geothermie-Experte.





Erfreut über die guten Ergebnisse des Fördertests
war auch SWS-Geschäftsführer Dr. Josef Wolf. Die Stadtwerke Schwerin werden künftig bis zu zehn Prozent des Schweriner Wärmebedarfs mit der „grünen Fernwärme“ realisieren. „Langfristig ist die Geothermie eine sehr verlässliche und klima-freundliche Art der Energiegewinnung, die zu keinen Preisanpassungen für die Stadtwerke-Kunden führen wird. Weitere Projekte dieser Art wären in Schwerin durchaus denkbar und würden die nachhaltige Energieerzeugung der Stadtwerke weiter vorantreiben”, so Geschäftsführer Josef Wolf.

Nach dem abschließenden Einbau der Endinstallation – mit Schutzrohrtour und Injektionsstrang der Injektionsbohrung – steht den Stadtwerken Schwerin eine funktionstüchtige Bohrungsdublette zur geothermischen Energiegewinnung zur Verfügung.

Die positiven Testergebnisse werden sicherlich auch andere Projekte in Norddeutschland positiv beeinflussen. Anfang April wird die Bohranlage abgebaut. Auf dem Bohrplatz beginnen dann die Arbeiten an den oberirdischen Anlagen, an der Brunnenstube und einer Filterhalle.  Parallel dazu erfolgt am Förderstandort der Bau der Brunnenstube und der Geothermiezentrale.

Wenn abschließend beide Standorte durch die oberirdische 1100 Meter lange Wärmetrasse miteinander verbunden sind, können voraussichtlich ab Anfang 2022 die Stadtwerke Schwerin grüne Fernwärme in die Landeshauptstadt liefern.
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Schwerin/Lankow, 9. Februar 2021 • Die Landeshauptstadt hat ein ehrgeiziges Ziel: Sie will bis zum Jahr 2035 CO2-neutral werden. Die Nutzung von Erdwärme ist für die Stadtwerke Schwerin deshalb eine Möglichkeit, einen bedeutenden Beitrag zur nachhaltigen und klimafreundlichen Energiegewinnung zu leisten.

Im Stadtteil Schwerin-Lankow befindet sich in knapp 1340 Meter Tiefe eine erneuerbare Energiequelle, die nach der vollständigen Erschließung für ökologische Fern¬wärme sorgen wird. Dieses Aquifer führt eine unerwartet große Menge an circa 56 °C warmen Thermalwasser.
(siehe Grafik1). Aquifer Schwerin-Lankow, Copyright: SWSN/GTN
Bereits im Dezember 2018 wurde die Förderbohrung am Standort des Lankower Heizkraftwerkes fertig gestellt. Dort wird nach der baulichen Fertigstellung des Geothermieprojekts dann die Thermalsole entnommen, dessen Wärmeenergie in Fernwärme umgewandelt wird.

Unmittelbar neben dem Sportpark Schwerin-Lankow und somit etwa 900 Meter von der Förderbohrung entfernt, dreht sich nun seit Anfang Februar der Bohrmeißel für die Injektionsbohrung. Das Ziel dieser Bohrung ist derselbe Aquifer in 1.340 m Tiefe.
Nach fünf Bohrtagen hatte der Bohrer der Firma Daldrup & Söhne AG schon eine Tiefe von 400 Metern erreicht. „Bis Sonntagabend gilt es, Stahlrohre für den Ausbau des ersten Bohrabschnitts einzubringen. Dann soll die erste Zementation abgeschlossen sein, damit wir die Bohrungen im zweiten Abschnitt bis 1.235 Meter vorantreiben können”, sagt Paul Wagner, Bohringenieur der Firma Geothermie Neubrandenburg. „Probleme gab es bei den Arbeiten bisher nicht, sodass die geplante Bohrtiefe in zwei Wochen erreicht werden kann.“
Im Verlaufe dieser zweiten Phase muss die Bohrung auch horizontal um circa 200 Meter in nordwestliche Richtung abgelenkt werden. „Das ist notwendig, weil der technische Mindestabstand zwischen den beiden Geothermie-Bohrungen im Aquifer mindestens 1.100 Meter betragen muss”, sagt Projektleiter René Tilsen.
Auf den letzten 150 Metern, d.h. zwischen 1.193 und 1.296 m werden etliche Bohrkerne entnommen und einer geologischen Untersuchung zugeführt. Diese Bohrung in Schwerin bietet den Geologen und Wissenschaftlern neue Erkenntnisse über die Entwicklung des Gesteins, das sich in dieser Tiefe vor ungefähr 200 Millionen Jahren abgesetzt hat.











Bohrfläche mit Borhturm, Copyright: SWSN Das Besondere an der Anlage: Die Nutzung der Erdwärme erfolgt über Wärmepumpen. „Das ist einmalig in Deutschland, wahrscheinlich sogar in Europa”, sagt René Tilsen.

Dem Thermalwasser wird in der Geothermiezentrale seine Wärmeenergie entzogen und dann das Wasser für das Fernwärmeinetz mit den Wärmepumpen auf etwa 80° erhitzt. Nach der Entnahme der Erdwärmeenergie wird die ausgekühlte Sole zurück ins Erdreich, d.h. in denselben Aquifer zurück verpresst. Davon leitet sich auch der Name Verpress- bzw. Injektionsbohrung ab.

Vorausgesetzt, die Arbeiten am Bohrplatz Schwerin-Lankow laufen weiter so perfekt wie bisher, kann die Geothermie- Anlage im ersten Quartal 2022 ans Netz gehen und Schwerin mit „grüner Fernwärme” versorgen. Mit der Nutzung der Geothermie können künftig mindestens 10 Prozent des Wärmebedarfs in der Landeshauptstadt gedeckt werden. Je nachdem, ob es weitere Standorte für die Geothermienutzung geben wird, kann dieser Anteil noch bis zu 60 Prozent erhöht werden. Die geologischen Voraussetzungen lassen dies nach heutiger Einschätzung zu.

Der 60 mal 60 Meter große Bohrplatz in Schwerin-Lankow wird nach dem Rückbau des Bohrplatzes, auf dem dann lediglich eine kleine Brunnenstube und eine Filterhalle verbleiben, als PKW-Parkplatz für Anwohner oder Stadionbesucher dienen.


Aufstellung des Bohrturms abgeschlossen


Der Bohrturm steht, Copyright: SWSN November 2020 •Eigentlich sollte sich ab dem 27.11. 2020 schon der Bohrer für die Injektionsbohrung drehen, aber die Corona-Pandemie hat den Bauleuten einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Verladung und der Transport des Bohrturms, der bis vor wenigen Tagen noch in den Niederlanden im Einsatz war, musste um einige Tage verschoben werden. „Alles ist gut und genau vorbereitet. Auch wenn wir erst später beginnen können, hoffen wir, diesen Rückstand innerhalb der nächsten zwei Monate wieder aufzuholen, zumindest teilweise.“, zeigt sich René Tilsen, Projektleiter Tiefengeothermie optimistisch.

Mit dieser Bohrung, die bis in eine Tiefe von circa 1300m führt, beginnt der zweite große Abschnitt im Rahmen des Geothermieprojektes der Schweriner. Nach dem überaus positiven Verlauf bei der Förderbohrung auf dem Gelände des HKW Lankow und der unerwartet guten Ergebnisse der anschließenden Fündigkeitsüberprüfung erwarten die Fachleute auch an diesem Standort einen reibungslosen Verlauf.

Um die letzten offenen Fragen zu klären trafen sich Vertreter der am Projekt beteiligten Firmen und Institutionen. Der SWS-Geschäftsführer Dr. Josef Wolf und der SWS-Projektleiter, René Tilsen erörterten gemeinsam mit dem Oberbürgermeister Dr. Rico Badenschier, Vertretern des Bergamtes Stralsund, dem Planungsunternehmen GTN – Geothermie Neubrandenburg und dem Hauptauftragnehmer Daldrup & Söhne AG den aktuellen Baufortschritt. Die Staatssekretärin des Ministeriums für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung, Ina-Maria Ulbrich, überzeugte sich ebenfalls vom Stand der Dinge. Injektionsbohrung - EWxperten im Fachgespräch, Copyright: SWSN

Bereits während der Durchführung der Injektionsbohrung beginnen die konkreten Planungen für die künftige Anlage am HKW Lankow. In enger Zusammenarbeit mit insgesamt drei Planungsbüros haben die Geothermie-Experten der Stadtwerke die Maschinenhalle konzipiert, den Platzbedarf für Filteranlagen, Rohrleitungen und Wärmepumpen ermittelt und an die Planer übergeben.

Wenn die Anlage fertiggestellt ist und in Betrieb geht, lässt die geothermische Energie den Anteil der erneuerbaren Energien der Stadtwerke auf 10 Prozent steigen. Das bedeutet auch, dass pro Jahr bis zu 7.500 Tonnen CO2-Emissionen weniger anfallen werden.
Die fertigstellung und Inbetriebnahme der gesamten Geothermieanlage ist für das Frühjahr 2020 vorgesehen.


Geothermie in Schwerin - wie alles begann

Symbolischer Knopfdruck, Copyright: SWS Am 30. November 2015 begannen die Stadtwerke Schwerin offiziell und unter Beisein vieler Gäste mit den Arbeiten zur Gewinnung der Wärme aus dem Erdreich. Das Vorhaben ist ein bedeutsamer Meilenstein auf dem Weg zur angestrebten CO2-Neutralität der Landeshauptstadt bis zum Jahr 2050.

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