EU-geförderte Geothermie

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Europäischer Fonds für
regionale Entwicklung

Geothermie in Schwerin-Lankow - Ablauf und Ergebnisse



Borhturm, Copyright: SWS Am 30. November 2015 begannen die Stadtwerke Schwerin offiziell mit den Arbeiten zur Gewinnung der Wärme aus dem Erdreich.

Nach Fertigstellung des Gesamtprojekts im kommenden Jahr werden etwa 15 Prozent des Fernwärmebedarfs der Landeshauptstadt durch die Nutzung der erneuerbaren Erdwärme abgedeckt.
Der erste Probebetrieb ist zum Start der kommenden Heizsaison geplant.
Im Folgenden haben wir eine kurze Chronik der Ereignisse zusammengestellt.

Die Förderbohrung

Fast drei Jahre später waren die Vorbereitungen für den Start der Förderbohrung abgeschlossen.

Im Oktober 2018 setzte sich der Bohrmechanismus in Bewegung. Anfang Dezember 2018 vermeldeten die Fachleute von der Baustelle, dass das Zielgebiet in einer Tiefe von rund 1.230 m erreicht ist, aber die Verlängerung der Bohrung bis auf 1.300 m möglich ist.
Damit steigt die in der Tiefe zu erwartende Temperatur der Thermalsole und damit die Wirtschaftlichkeit der gesamten Anlage. Die Untersuchungen der Bohrkerne bereits während der weiteren Bohrphase ließen sogar Rückschlüsse auf noch bessere Ergebnisse zu. Schließlich stoppte der Bohrer bei 1.296 Metern.

Die vorgefundene Soletemperatur übertraf alle Erwartungen. Statt den anfangs prognostizierten 50 Grad liegen in der Förderbohrung sogar 56 Grad Celsius vor. Auch das sogenannte Aquifer unter der Förderbohrung liegt mit einer Stärke von 45 Meter statt der prognostizierten 30 Meter deutlich über den Erwartungen. Die Größe und der ebenfalls sehr hohe Wert der Durchlässigkeit des Gesteins (Permeabilität) werden ein höheres Fördervolumen zulassen – ein Ergebnis, das insgesamt zehn Prozent über den Erwartungen liegt.

Zukünftig können über die Förderbohrung problemlos 150 Kubikmeter Thermalwasser gewonnen werden.

Wie ging es weiter?

Aufgrund dieser erfolgreichen Ausführung der Förderbohrung mit seinen hervorragenden Untersuchungsergebnissen wurde im nächsten Schritt das Genehmigungsverfahren für die Injektionsbohrung sowie die Soleverbindungsleitung eingeleitet.

Zunächst wurde die Planung der zweiten Bohrung (Injektionsbohrung) an die Ergebnisse der Förderbohrung angepasst. Dazu erfolgte im Vorfeld eine Überarbeitung der seismischen Ergebnisse aus der Vorerkundung von 2016. Danach erfolgten die Ausschreibungen der technischen Leistungen. Zeitgleich wurde das Wärmepumpenkonzept an die tatsächlichen Parameter angepasst.

Die Injektionsbohrung

Anfang Oktober 2020 begannen die Arbeiten für den zweiten Bohrplatz in Schwerin-Lankow. Nach einer europaweiten öffentlichen Ausschreibung erhielt die Daldrup & Söhne AG aus Ascheberg den Zuschlag. Das Unternehmen hatte bereits die Förderbohrung am Heizkraftwerk Schwerin Lankow sicher durchgeführt.

Am 5. Oktober wurde mit den ersten Arbeiten am Sportpark begonnen: Zunächst mussten Erdarbeiten durchgeführt werden, um den Platz auf die Bohrungen vorzubereiten. Im Februar 2021 wurde das Zielgebiet der Bohrung ohne Probleme erreicht. Die Bohrarbeiten zum Injektionsstrang sind somit abgeschlossen. Aus den letzten 150 Metern wurden noch Bohrkerne entnommen und einer geologischen Untersuchung unterzogen. Damit wurde eine thermalwasserführende Sandsteinschicht erschlossen. Dieser Sandstein ist nur schwach verfestigt und weist äußerst günstige Durchlässigkeit auf, was für die Rückführung der abgekühlten Thermalsole sehr wichtig ist.

Der Leistungstest

Mitte März 2021 starteten die Geothermie-Experten den Leistungstest. Ein Fördertest sollte Aufschluss über die realisierbare Injektionsrate des Aquifers ermitteln. Darüber hinaus wurden viele weitere Parameter untersucht. Im Ergebnis dieses Fördertests hat sich gezeigt, dass die Erwartungen an den ausgewählten Injektionsstandort vollends erfüllt wurden. Das bedeutet, dass das die geförderte Menge Thermalwasser nach der Abkühlung in selber Menge wieder sicher verpresst werden kann.

Die oberirdischen Anlagen

Anfang April 2021 wurde die Bohranlage abgebaut. Auf dem Bohrplatz der Injektionsbohrung begannen die Arbeiten an den oberirdischen Anlagen, wie der Brunnenstube und der Filteranlage. Parallel dazu erfolgte am Förderstandort der Bau der Brunnenstube und der Geothermiezentrale.

Die Soleleitung

Um die Injektions- und Förderbohrung zu verbinden, erfolgte im April 2022 die Verlegung einer Soleleitung mittels eines speziellen Tiefbauverfahrens, der sogenannten Horizontalbohrung.

Damit das abgekühlte Tiefenwasser nach dem Wärmeentzug wieder in den Untergrund zurückgeleitet werden kann, braucht es diese Verbindungsleitung zwischen den beiden Bohrstandorten. In Schwerin-Lankow war die zu überwindende Strecke 1.037 Meter lang und querte diverse Straßen. Durch das Verfahren der gelenkten Horizontalbohrung konnten aufwendige Straßensperrungen vermieden werden.

 

Wie ist der aktuelle Stand?

Wenn abschließend beide Standorte durch die oberirdische Wärmetrasse miteinander verbunden sind, ist ein Probebetrieb zum Start der kommenden Heizsaison geplant. Nach Fertigstellung des Gesamtprojektes im kommenden Jahr werden etwa 15 Prozent des Fernwärmebedarfs der Landeshauptstadt durch die Nutzung der Erdwärme abgedeckt.


Übrigens sind weitere Projekte dieser Art in Schwerin durchaus realisierbar und angedacht. Die Zudem werden die positiven Testergebnisse sicherlich auch andere Projekte in Norddeutschland positiv beeinflussen.


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